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Kanupolo-Berichte

Zweikämpfe mit geschlossenem Visier

Neuburg (DK) Kai Berner trägt einen Helm mit geschlossenem Visier. Sein Blick fixiert den Ball. Wirbelnd reißt er sein Kanu im Wasser herum, spurtet gegen die Strömung, nimmt den Ball mit dem Paddel auf, blockt einen Gegner, drängt ihn ab, dreht sich, zielt und wirft ein Tor – eins von vielen in diesem Trainingsspiel am Mittwochabend am Donaukai.

Bild: Thomas Fricke trainierte drei Jahre lang die Deutsche Nationalmannschaft. Heute bringt er die Neuburger Spieler auf Kurs.

Kanupolo heißt dieser Wassersport, den der Donauruderclub schon seit Jahren auf höchstem Niveau praktiziert.

Es regnet in Strömen. Trotzdem sind fünf Spieler zum Training gekommen – nass wird man bei dem Sport sowieso. Um an den Ball zu kommen, ist fast alles erlaubt: Der Ballführende darf getaucht und zum Kentern gebracht werden. Die so genannte Eskimorolle ist lebenswichtig, sie müssen alle Spieler beherrschen, um sich auch ohne Paddel wieder aufrichten zu können, wenn das Boot umkippt. Die Kanus haben vorne und hinten Gummi-Puffer zum Rammen – wie beim Autoskooter. Das Angehen des gegnerischen Bootes im 90-Grad-Winkel ist strikt verboten. "Da ist das Verletzungsrisiko zu hoch", erklärt Berner. Die dicken Westen haben die Sportler primär aus Sicherheitsgründen an. "Die geben zwar auch Auftrieb, aber hauptsächlich polstern die den Oberkörper", erklärt Teamkollege Norbert Winter. Zum Schutz vor den gegnerischen Paddeln tragen die Spieler Helme. Auf die Hände schlagen gilt als böses Foul.

Gespielt wird Fünf gegen Fünf. Die Tore hängen in zwei Metern Höhe über der Wasseroberfläche. Der Ball darf geworfen, gefangen, mit dem Paddel geführt, geschlagen oder mit dem Kanu getrieben werden. Seit 1920 existiert die Sportart bereits. Kanupolo-Vereine gibt es rund um den Globus.

Kai Berner gehört zur absoluten Weltelite: Als deutscher Nationalspieler hat der 26-Jährige schon alles gewonnen, was man gewinnen kann. Er wurde Welt- und Europameister mit der U 21. 2005 warf er in Madrid das Tor zum 2:0-Endstand im Finale der Europameisterschaft der Herren. Im vergangenen Jahr holte er den Vize-Europameistertitel unter Nationaltrainer Thomas Fricke – der ebenfalls in Neuburg trainiert.

Nach der Europameisterschaft verkündeten Berner und Fricke ihren Rücktritt: Der enorme Zeitaufwand, die vielen Reisen wurden ihnen zu viel. "Das enorme Trainingspensum war irgendwann nicht mehr zu stemmen", erzählt der Ingenieur Berner. "Ich brauche meine Energie für meinen Beruf", sagt der Selbstständige Fricke.

Noch ein anderes Problem veranlasste die Beiden zum Aufhören: Kanupolo ist ein relativ unbekannter Sport – keine olympische Disziplin. "Man bekommt als Spieler vom Verband so gut wie keine Unterstützung", klagt Berner. Von seinem Wohnort Eichstätt aus, musste er die weiten Wege zu Turnieren und Meisterschaften selbst finanzieren. Thomas Fricke erhielt als Trainer jährlich um die 400 Euro Fahrtgeld vom Verband – viel zu wenig, wenn Turniere in Kanada oder Japan stattfinden. "Da kommt man im Jahr schon mal auf 8000 Kilometer", erzählt der Ex-Nationaltrainer.

Unterstützung fanden die Sportler in Neuburg: Der Verein und die Stadt förderten ihre Kanupolo-Mannschaft mit Geld: "Der Stadtrat und der Bürgermeister haben uns sehr geholfen. Ganz unbürokratisch. Das war wirklich toll", lobt Fricke. 20 bis 25 Wochenenden im Jahr sei er früher für seinen Sport unterwegs gewesen. Heute lässt es der 48-Jährige ruhiger angehen, coacht die Neuburger Spieler am Donaukai, anstatt rund um den Globus Turniere zu spielen. "Die Bayerische, vielleicht auch die Süddeutsche Meisterschaft", peilt der Trainer für seine Neuburger Mannschaft an. Kai Berner spielt mit den Wassersportfreunden Liblar in der Bundesliga. Mittwochs wirft er seine Tore in Neuburg.

Von Sebastian Schanz



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